Regelenergie für ein stabiles Stromnetz


Da der Stromverbrauch und die Erzeugung stets gleich hoch sein müssen um das österreichische Stromnetz stabil zu halten wird positive und negative Regelenergie benötigt. Mit dieser Energie wird die Frequenz des Netzes bei 50 Hz gehalten und vermieden, dass es zu Schwankungen oder im schlimmsten Fall zu Black Outs kommt.

 

     

    Seit der Marktliberalisierung 2012 kann diese Energie prinzipiell von jeder netzsynchronen elektrischen Anlage erbracht werden. Die Zunahme an volatiler Ökostromproduktion (Energie aus Wind, Photovoltaik) eröffnet attraktive Marktchancen.

    Verantwortlich für die Beschaffung von Regelenergie ist der österreichische Übertragungsnetzbetreiber APG. Es wird dabei zwischen positiver und negativer Regelenergie unterscheiden. Diese Arten können in drei Stufen – Primär, Sekundär oder Tertiär – erbracht werden.


      Arten der Regelung


      Prinzipiell wird zwischen zwei Arten von Regelenergie unterschieden. Wann Regelenergie benötigt und von APG abgerufen wird, kann nicht vorhergesagt werden.

        Positive Regelenergie

        Mit positiver Regelenergie wird einer Stromunterdeckung entgegengewirkt. Das bedeutet es steht zu wenig Energie im Netz zur Verfügung und muss deshalb durch eine Erhöhung der Produktion bzw. durch Reduktion der Last ausgeglichen werden.

        Negative Regelenergie

        Mit negativer Regelenergie wird einer Stromüberdeckung entgegengewirkt. Das bedeutet es steht zu viel Energie im Netz zur Verfügung und muss deshalb durch eine Reduktion der Produktion bzw. durch Erhöhung der Last ausgeglichen werden.

        Regelstufen


        Es gibt drei Regelstufen Primär-, Sekundär- und Tertiärregelung.

        Diese drei Stufen unterscheiden sich vor allem durch die Reaktionszeit und nötige Regelbarkeit der Anlagen. Vorerst bietet der A1 Energy Pool die Möglichkeit am Sekundär- und Tertiärregelenergiemarkt teilzunehmen.

          Primärregelung


          Mit der Primärregelleistung wird ein auftretendes Ungleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch innerhalb weniger Sekunden automatisch ausgeregelt um damit die Frequenz im Stromnetz zu stabilisieren. Die Primärregelung wird automatisch über eine Frequenzüberwachung bei den einzelnen Kraftwerken bei Frequenzabweichungen (± 50 Hz) aktiviert.

          Die maximale Leistung muss innerhalb von 30 Sekunden nach Auftreten der Abweichung erreicht werden und über mindestens 30 Minuten zur Verfügung stehen.

          Sekundärregelung


          Mit der Sekundärregelung wird die aktivierte Primärregelung abgelöst um diese wieder für den Netzausgleich verfügbar zu machen. Die Sekundärregelung wird dann aktiviert, wenn die Beeinflussung des Netzes länger als 30 Sekunden dauert oder angenommen wird, dass sie länger als 30 Sekunden dauern wird. Für die Aktivierung wird ein Sollwert vorgegeben, dem der Leistungsverlauf der Anlage folgt.

          Die maximale Leistung muss innerhalb von fünf Minuten nach dem Abruf erreicht werden und der Sollwert wird alle zwei Sekunden aktualisiert.

          Tertiärregelung


          Die Tertiärregelung wird dann aktiviert, wenn die Abweichung der Regelzone länger als 10 Minuten andauert. Die Tertiärregelung dient zur Entlastung der Sekundärregelung. Der Abruf erfolgt manuell über einen Webservice der APG (Austrian Power Grid) ohne ständige Aktualisierung des Sollwerts. Das bedeutet es wird immer die gesamte angebotene Energie abgerufen.

          Die maximale Leistung muss innerhalb von zehn Minuten nach dem Abruf erreicht werden. Es wird immer die komplette Menge eines Angebots statisch abgerufen.

          Pricing und Marktmodell


          Der Regelenergiemarkt wird durch zwei Preise bestimmt, die unabhängig voneinander gebildet werden: Leistungspreis und Arbeitspreis.

          Die benötigte Regelenergie wird in einem wöchentlichen Bieterverfahren von APG ausgeschrieben. Dabei werden die Preise aufsteigend in einer Merit Order List sortiert. Die günstigsten Anbieter bekommen den Zuschlag für die Vorhaltung. Kommt es zum Abruf von Regelenergie werden aus dem Pool dieser zugeschlagenen Anbieter, die mit dem günstigsten Arbeitspreis aufsteigend für die Erbringung der Regelenergie abgerufen.

            Leistungspreis

            Vergütung für die reine Vorhaltung
            der Energie
            Der Anbieter erklärt sich bereit für die betreffende Zeitscheibe die angebotene Regelenergie vorzuhalten. Es wird ein Fixpreis pro MW bezahlt, damit die Leistung sichergestellt und bei Bedarf abgerufen werden kann.

            Arbeitspreis

            Vergütung für die tatsächlich abgerufen Leistung pro MWh.
            Es wird ausschließlich der Preis pro tatsächlich produzierter MWh bezahlt, sollte die Leistung in Anspruch genommen werden.